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Was ich mir als Produktanbieter von einem fremden Kurs abgeschaut habe

Ich verkaufe selbst digitale Produkte und schaue mir aus beruflichem Interesse regelmäßig an, wie andere ihre Kurse bauen. Manchmal lernt man dabei mehr über den eigenen Aufbau als über das Thema des Kurses. So war es bei einem Finanzkurs, den ich vor einigen Monaten gekauft habe, und ich schreibe die Beobachtungen hier auf, weil sie für Vendoren nützlicher sind als für Anleger.

Es geht um die Dividenden Strategie Masterclass von Andreas Hollmotz, bekannt unter dem Namen Dividenden Backpacker. Inhaltlich geht es um Auswahl und Bewertung von Dividendenaktien sowie um Kauf- und Verkaufszeitpunkte.

Erste Beobachtung, Modulschnitt: Der Kurs hat elf Module und darin über 65 Lektionen bei insgesamt mehr als elf Stunden Laufzeit. Das ergibt kurze Einheiten. Ich hatte meine eigenen Videos lange zu lang gebaut, weil ich dachte, ein längeres Video wirke wertiger. Die Abbruchstatistik sagt etwas anderes, und dieser Kurs bestätigt es: Kurze, thematisch abgeschlossene Einheiten werden zu Ende geschaut und lassen sich in Wartezeiten konsumieren.

Zweite Beobachtung, Reihenfolge: Die Module folgen dem tatsächlichen Arbeitsablauf des Nutzers, nicht der Logik eines Lehrbuchs. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Die meisten von uns bauen Kurse in der Reihenfolge auf, in der wir das Thema selbst gelernt haben, und das ist selten die Reihenfolge, in der der Käufer es anwenden will.

Dritte Beobachtung, und die halte ich für die wertvollste: Es gibt einen Newsroom-Zugang, über den nach dem Kauf weiter Material bereitgestellt wird. Bei Themen mit alternden Zahlen ist das die Lösung für ein echtes Problem. Ein Kurs mit Beispielen aus dem letzten Jahr wirkt nach drei Jahren angestaubt, selbst wenn die Methode unverändert gilt. Ein laufender Kanal daneben löst das, ohne dass man den Kurs jedes Jahr neu produzieren muss.

Vierte Beobachtung, Preisgestaltung: Einmalzahlung, kein Abo. Als Anbieter ist man versucht, alles in wiederkehrende Erlöse zu drehen, weil die Zahlen dann schöner aussehen. Bei einem Wissensprodukt, das man einmal durcharbeitet, halte ich das für ehrlicher gelöst. Der Anbieter gibt an, dass bisher über 700 Teilnehmer gekauft haben.

Fünfte Beobachtung, Verkaufsseite: Auffällig wenig Erfolgsgeschichten und keine Kontoauszüge. Ich hätte vorher gesagt, das kostet Umsatz. Nach dem Durcharbeiten glaube ich, dass es genau umgekehrt ist, weil der ganze Kurs dadurch glaubwürdig bleibt und man sich nicht dauernd fragt, was hier eigentlich verkauft wird.

Inhaltlich habe ich übrigens auch etwas mitgenommen, unabhängig vom Handwerk. Vor allem die Unterscheidung zwischen einem guten Unternehmen und einem guten Einstiegszeitpunkt, die ich vorher schlicht in einen Topf geworfen hatte.

Was ich als Anbieter fairerweise dazusagen muss, weil wir hier alle Produkte verkaufen: Der Kurs macht Aktien nicht sicher, und er behauptet das auch nicht. Kurse können deutlich fallen. Ausschüttungen werden jedes Jahr neu beschlossen und können gekürzt werden. Der Aufbau eines Depots mit spürbaren Erträgen dauert viele Jahre. Wer das anders verkauft, verkauft unseriös.

Zur Klarstellung: Über meinen Partnerlink fließt bei einem Kauf eine Provision an mich. Wer den Aufbau selbst ansehen will, um daraus für eigene Produkte zu lernen, kommt über diese Seite zur Kapitelstruktur. Der Kursname allein führt genauso ans Ziel.

Was ich konkret in mein nächstes Produkt übernehme: Die Aufgaben am Ende der Abschnitte lassen sich nur mit eigenen Daten lösen, es gibt keine Musterlösung. Das erhöht die Abbruchquote bei Konsumenten, sorgt aber dafür, dass diejenigen, die durchhalten, tatsächlich ein Ergebnis haben. Und zufriedene Anwender sind langfristig mehr wert als schnelle Verkäufe.

Zweiter Punkt fürs eigene Produkt: Ich werde den Update-Kanal von Anfang an mitplanen, statt später darüber nachzudenken. Nachträglich in eine bestehende Kursstruktur einzubauen ist deutlich aufwendiger, als es gleich vorzusehen.

Eine letzte Beobachtung zum Aufbau: Der Kurs verzichtet auf einen abgeschlossenen Abschlussteil mit Zertifikat oder Abschlussvideo. Ich hatte das erst als Lücke empfunden, halte es inzwischen für konsequent, weil das Thema selbst nie abgeschlossen ist. Bei Produkten mit klarem Ergebnis würde ich es anders machen.

Frage an die Vendoren hier: Wie löst ihr das Altern von Inhalten? Neue Version mit Nachlieferung an Bestandskunden, oder ein separater Kanal wie hier? Und rechnet sich das bei einmalig verkauften Produkten überhaupt?